DREI BRIEFMARKEN FÜR SENEGAL

Briefmarken habe ich sehr geliebt, lange bevor ich Maler wurde. Für mich war es ein großes Glück, die kleinen bunten Bilder zu sammeln, die von weither kamen, und sie abzulösen von den Briefumschlägen mit dem Dampfauspuff einer Teekanne, wenn ich nicht den ganzen Briefumschlag ins Wasser legen wollte. Nachher habe ich die Briefmarken zum Trocknen zwischen Buchseiten gelegt.

Ich erinnere mich sehr genau an diese Beschäftigung, als Wien noch von den sowjetischen Truppen besetzt war, im Mai 1945. Ich verspürte ein seltsames Hochgefühl, als ich die Briefmarken ordnete und noch einmal ordnete, während vor meinem offenen Fenster die Soldaten der Roten Armee auf Lastwagen gepfercht vorbeifuhren und russische Lieder sangen.

Ich habe auch im Realgymnasium ein Gedicht zur Ehre der Briefmarke geschrieben.

Ich hatte einen umfangreichen Briefwechsel mit Briefmarkenfreunden in der ganzen Welt, in so exotischen Ländern wie Indien, der Schweiz, Amerika und Marokko, Irland und vielen anderen Ländern.

Ich schrieb ganz einfach Briefe an „einen unbekannten Briefmarkensammler“ in einer exotisch klingenden Stadt, die ich im Weltatlas heraussuchte, in einem fernen Land, und bekam etwa auf drei Briefe eine Antwort. Dann schickten wir uns gegenseitig Briefmarken im Brief und auf dem Umschlag, jahrelang. Es war ein Vorspiel zu meiner heutigen Aktivität als Maler mit Ausstellungen in der ganzen Welt.

Tatsächlich haben die Briefmarken in mir den Wunsch geweckt, Maler zu werden. Ich wollte auch so kleine Bilder malen, so bunt, so voll Leben, so schön wie die Briefmarken, und damit die Welt erobern.
Und lange war ich unglücklich und unzufrieden, weil die Bilder, die ich malte, den Vergleich mit den Briefmarken nicht aushielten.
Das war, als ich 10 bis 17 Jahre alt war.

Die Menschen, die sie machten, waren für mich Halbgötter, viel unerreichbarer als die Könige dieser Erde. Die Briefmarken und ihre Schöpfer waren für mich die wahren Botschafter dieser Erde, die wahren Abgeordneten eines Weltparlamentes.
Die kleinen Bilder kann man bei sich tragen, in kleinen Büchern. Sie sind wie Kultobjekte, wie Ikonen. Man stellt sich phantastische Weiten vor und träumt.
Man tauscht die Briefmarken, die man doppelt hat und die, die einem weniger gefallen, gegen andere, die in allen Farben leuchten. Man kann jedes Detail mit der Lupe sehen.
Deshalb bin ich stolz, daß ich Briefmarken für Senegal machen darf, ein fernes und exotisches Land, das ich liebe.

Und noch dazu kann ich all die wunderbaren Landschaften, die ich ein ganzes Leben lang als Maler entdeckt habe, in den Briefmarken auferstehen lassen.
So werden die wunderschönen Träume meiner Jugend zu einer noch wunderbareren Wirklichkeit, weil es zu Kristall gewordene Träume sind, Bilder einer jenseitigen Welt, die sich realisiert haben, erstarrt in kleinen Bildern, die man richtig sehen und berühren kann und aufkleben auf Briefe und von einem fernen Land in ein anderes fernes Land senden kann.

Und die allergrößte Freude für mich ist die, daß ich selbst Hundertwasser-Briefmarken sammeln und neben die anderen schönen, die ich schon besitze einreihen kann.

Es ist mein Wunsch, daß meine Briefmarken zur Ehre Präsident Léopold Sédar Senghors, zur Ehre Senegals gereichen.

(Hundertwasser zur Ausgabe der Briefmarken für die Republik Senegal, 1979)
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Friedensreich Hundertwasser - * 15. Dezember 1928 in Wien; † 19. Februar 2000

Die Hundertwasser-Ausstellung dokumentiert das Schaffen eines der populärsten Künstler des 20. Jahrhunderts als Maler, Architekt und Ökologe. Das internationale Ansehen des Künstlers festigte sich nach einer bewegten Laufbahn, die er mit einem unverwechselbaren malerischen und graphischen Werk begann und mit dem Einsatz für eine natur- und menschengerechtere Architektur sowie mit weltweiten ökologischen Kampagnen fortsetzte.

Die Hundertwasser-Ausstellung zeigt einen Querschnitt aus dem außergewöhnlichen graphischen Werk von 1951 bis 1999. Der Künstler beherrschte und erneuerte viele graphische Techniken und es gelang ihm, Graphik-Editionen herzustellen, bei denen die Blätter der Auflage Unikate sind, so verschieden wie die Blätter eines Baumes.
 
Originalplakate, die Hundertwasser für Umweltaktionen geschaffen hat, zeigen ihn als einen visionären Künstler, der die aufklärerische Kraft seiner Kunst dafür einsetzt, die Botschaft eines Lebens in Harmonie mit der Natur zu verbreiten und unsere natürlichen Lebensräume zu schützen.
Hundertwasser forderte die individuelle, künstlerische Gestaltung aller Lebensbereiche und schuf selbst Objekte und Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens. In der Ausstellung sind Exemplare aus seinem Briefmarkenoeuvre zu sehen.
Die Ausstellung wird darüber hinaus durch eine umfangreiche Dokumentation in Form von Fotos, Texten und Handschriften über das Leben und Werk des Kosmopoliten sowie durch didaktisches Material ergänzt.
Im Verkaufsshop werden Objekte und Geschenkideen aus dem bekannten Museumsshop des KunstHausWien angeboten.